Thriller müssen nicht laut sein, um ihre Wirkung zu entfalten. Manche Geschichten entwickeln ihre größte Spannung nicht durch Tempo oder spektakuläre Wendungen, sondern durch Zurückhaltung, Beobachtung und das langsame Eindringen von Unsicherheit. Das Signal von Ursula Poznanski gehört genau zu diesen Romanen. Der Psychothriller nimmt sich Zeit, setzt auf Atmosphäre und stellt eine zentrale Frage in den Raum: Wie stabil ist Sicherheit, wenn sie fast vollständig auf Technik beruht?
Thank you for reading this post, don't forget to subscribe!Schon früh macht der Roman deutlich, dass moderne Systeme zwar entlasten und schützen können, gleichzeitig aber auch neue Abhängigkeiten schaffen. Was geschieht, wenn diese Systeme nicht mehr verlässlich sind? Wenn Routinen ins Wanken geraten und man gezwungen ist, der eigenen Wahrnehmung mehr zu vertrauen als den Hilfsmitteln, die bisher Struktur gegeben haben? Das Signal nähert sich diesen Fragen ruhig, konsequent und ohne Effekthascherei. Genau diese Zurückhaltung erzeugt eine Spannung, die nicht sofort greifbar ist, sich aber kontinuierlich verdichtet.
Worum geht es in Das Signal?
Im Zentrum der Geschichte steht eine Frau, die zurückgezogen in einem abgelegenen Haus lebt. Aufgrund körperlicher Einschränkungen ist ihr Alltag stark von technischen Hilfsmitteln geprägt. Digitale Systeme strukturieren ihre Tage, übernehmen Aufgaben und vermitteln ihr ein Gefühl von Kontrolle und Sicherheit. Gleichzeitig entsteht daraus eine klare Abhängigkeit, die lange Zeit kaum hinterfragt wird.
Als sich jedoch kleine Unstimmigkeiten häufen und Abläufe nicht mehr so funktionieren wie gewohnt, beginnt dieses Sicherheitsgefühl zu bröckeln. Nichts wirkt sofort eindeutig bedrohlich, doch genau diese Unklarheit macht die Situation so beunruhigend. Die Geschichte entfaltet ihre Spannung über Wahrnehmung, Zweifel und das schrittweise Erkennen, dass Kontrolle keine Selbstverständlichkeit ist.
Isolation als Spannungsfaktor
Der Roman bleibt konsequent bei der Perspektive der Hauptfigur. Dadurch wird das Gefühl von Isolation besonders intensiv erfahrbar. Leser:innen sind gezwungen, sich auf dieselben Informationen zu verlassen wie die Protagonistin selbst. Diese Nähe verstärkt die psychologische Spannung und lässt die Bedrohung umso realer erscheinen, obwohl sie lange diffus bleibt.
Eigene Meinung zum Buch
Was mich an Das Signal besonders überzeugt hat, ist die klare Reduktion auf das Wesentliche. Die Geschichte verlässt sich nicht auf äußere Action, sondern auf innere Prozesse. Die Hauptfigur wird nicht als passives Opfer dargestellt, sondern als aufmerksam, reflektiert und zunehmend selbstbestimmt. Trotz ihrer Einschränkungen entwickelt sie Strategien, beobachtet genau und beginnt, ihre Situation aktiv zu hinterfragen.
Gerade diese Entwicklung macht den Roman glaubwürdig und tiefgründig. Die Spannung entsteht weniger aus dem „Was passiert als Nächstes?“ und mehr aus dem „Was bedeutet das, was gerade passiert?“. Diese Verschiebung vom äußeren Geschehen hin zur inneren Wahrnehmung hebt den Thriller deutlich von klassischen Genrevertretern ab.
Technik, Kontrolle und Realität
Thematisch setzt sich der Roman intensiv mit digitaler Abhängigkeit und Kontrollverlust auseinander. Die eingesetzten technischen Systeme wirken realistisch und alltagsnah, was die Geschichte besonders eindringlich macht. Vieles erscheint nicht überzogen oder futuristisch, sondern erschreckend plausibel. Genau darin liegt die Stärke des Buches: Die Bedrohung entsteht aus einer Realität, die vielen Menschen vertraut ist.
Stil und Erzählweise
Der Schreibstil ist ruhig, präzise und klar. Ursula Poznanski verzichtet auf unnötige Ausschmückung und lässt Atmosphäre und Spannung aus Situationen und Gedanken entstehen. Das Tempo bleibt bewusst kontrolliert. Wer schnelle Thriller mit permanenten Wendungen erwartet, wird hier nicht fündig. Wer jedoch psychologische Spannung, dichte Atmosphäre und eine fokussierte Erzählweise schätzt, wird die Wirkung dieses Romans zu schätzen wissen.
Die Blogger Box von Droemer Knaur
Begleitend zur Lektüre habe ich die Blogger Box des Droemer Knaur Verlag gewonnen. Neben dem Buch enthielt sie einen Keyfinder, einen Invisible Pen und einen Notizblock. Die Auswahl der Inhalte war thematisch sehr stimmig und griff Motive wie Orientierung, Kontrolle und verborgene Hinweise auf. Diese haptischen Elemente haben die Atmosphäre des Romans auf einer zusätzlichen Ebene aufgegriffen und das Leseerlebnis sinnvoll ergänzt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Fazit
Das Signal ist ein leiser, moderner Psychothriller, der seine Wirkung nicht durch Lautstärke erzielt, sondern durch Nähe, Atmosphäre und Nachhall. Die Geschichte fordert Aufmerksamkeit und Geduld, belohnt diese aber mit Tiefe und einer nachhaltigen Spannung. Es ist ein Buch, das nicht mit dem letzten Kapitel endet, sondern Gedanken anstößt, die über die Lektüre hinaus begleiten.
Der Roman ist seit 02.02. erhältlich und richtet sich besonders an Leser:innen, die psychologische Spannung, aktuelle Themen und eine reduzierte, konzentrierte Erzählweise schätzen.
Buchdetails
Autorin: Ursula Poznanski
Verlag: Droemer Knaur
Erscheinungstermin: 02.02.2026
Formate: Hardcover, E-Book
Werbung / Transparenz: Die Bloggerbox inklusive Buch wurde mir durch ein Gewinnspiel zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.







